Hirtenclub
Ein Austausch unter Führungskräften, inspiriert von P. Kentenichs „Hirtenspiegel“
Die Fürstenspiegel des Mittelalters
Die Fürstenspiegel …
sind Schriften mit Ratschlägen und Belehrungen, die sich an Könige, Fürsten oder deren Söhne richten. Sie erklären, welche Tugenden und Pflichten ein Herrscher haben sollte und geben Grundsätze für gutes Regieren vor. Die meisten dieser Werke stammen aus dem Mittelalter und der Frühen Neuzeit, doch es gab bereits ähnliche Werke in der Antike.
Es geht um „gute Herrschaft“, und das bedeutet, eine dem Gemeinwohl verpflichtete Regierungsweise. Wie Prof. Dr. Gert Melville ausführt: Zu guter Herrschaft verpflichtet sich auch der Bundeskanzler. Aber wenn er schlecht regiert, verliert er nur die nächste Wahl. Der mittelalterliche Fürst, der schlecht regierte, verlor das Ewige Leben. Die „Fürstenspiegel“ sollten ihm einen Spiegel vorhalten ihm den Weg zur guten Herrschaft zeigen.
Der Fürstenspiegel „De regimine principum“ (auch bekannt als De regno) des heiligen Thomas von Aquin, verfasst um 1265/66 für den König von Zypern, ist der wohl bekannteste. Die Aufgabe des Fürsten ist es, so Thomas, das Gemeinwohl (bonum commune) zu fördern und den Frieden sowie die Einheit der Gesellschaft zu sichern.
Der Hirtenspiegel aus dem Konzentrationslager
Der „Hirtenspiegel“…
ist ein umfangreiches Lehrgedicht von Pater Josef Kentenich, das im Zeitraum von April 1943 bis Februar 1944 im Konzentrationslager Dachau verfasst wurde. Das Werk besteht aus mehr als 5.800 Strophen und diente ursprünglich als Richtlinien für die Oberinnen der Schönstätter Marienschwestern.
Pater Kentenich greift offenbar die Idee des „Fürstenspiegels“ auf; es geht in den Texten um „gutes Regieren“, um gute Führung der Anvertrauten. Doch er spricht nicht von „Fürsten“, sondern von „Hirten“.
Pater Kentenich versteht unter „Hirten“ (und dem damit verbundenen „Hirtenprinzip“) ein Modell der christlichen Menschenführung, das stark auf dem biblischen Bild des „Guten Hirten“ (Joh 10,11) basiert. Es handelt sich um einen Seelsorge- und Führungsstil, der von tiefer persönlicher Zuwendung, Verantwortung und Liebe geprägt ist.
Ein Hirte nach Kentenich ist ein Seelsorger, der das Leben versteht und nach dem Vorbild Jesu fürsorglich, selbstlos sowie mit großem Interesse am Wohlergehen jedes Einzelnen handelt.
Der Hirtenclub
Führungskräfte aus der IKAF haben entdeckt, dass viele Texte des Hirtenspiegels auch für die Führung eines Unternehmens, für Personalführung und – verantwortung anwendbar sind.
Der Hirtenclub setzt sich aus Führungskräften zusammen, die sich in regelmäßigen Abständen hybrid treffen – persönlich vor Ort in der Schweiz und aus anderen Ländern über Zoom. Nach einer kurzen Runde zur Vorstellung lesen wir ausgewählte Passagen aus dem Hirtenspiegel von Pater Kentenich und erörtern deren Relevanz für den Arbeitsalltag. Das Format ist unkompliziert zu realisieren, und die behandelten Texte erweisen sich stets als bemerkenswert relevant. Es geht nicht um eine Exegese der Texte, sondern die Frage:
- Was berührt mich?
- Was spricht mich an?
- Was verbinde ich mit einer Erfahrung?
„Wir sind immer wieder begeistert wie aktuell der Text dabei für uns wird und wie er zu uns spricht!“